
| Seit über 500 Jahren dringt dumpfes Dröhnen
aus der „Oberen Hammerschmiede“ und lockt Vorbeigehende neugierig an.
Steckt man den Kopf zur Werkstatttür hinein, geht jeder Schlag durch Mark
und Bein.
Hier kann man dem Hammerschmied Albert Scholl bei seiner Arbeit am wasserradangetriebenen Hammerwerk über die Schulter schauen. Das Blech für schmiedeeisene Bratpfannen oder glühender Stahl für irgendein Werkzeug wird unter dem Hammerkoloss bearbeitet und bei jedem Schlag vibriert der Naturboden. Einstmals war hier das Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie. Die Hindelanger Waffenschmiede genossen einen geradezu legendären Ruf. Der Umfang ihrer Leistungsfähigkeit geht zum Beispiel aus dem "Befelch-Buch" im Stadthalterei-Archiv Innsbruck hervor: 30. November 1520, 5000 Fußknecht-Spieße; 5. Juni 1521, 1500 Spieße; 26. Februar 1524, 8000 Gemeinde-Spießeisen; 6. Dezember 1524, 5000 Fußknecht-Spießeisen. Das sind in einem Zeitraum von vier Jahren 19500 Landsknecht-Spieße, für damalige Zeiten eine enorme industrielle Leistung. |
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Dann die Devise im 17. Jahrhundert:
„Schwerter zu Pflugscharen!“ Nicht aus Nächstenliebe, sondern aus
wirtschaftlicher Not stellte die Hammerschmiede auf friedliches Gerät um, wie
z.B. Schaufeln und Pickelhauen, Mistkratzer, Rindenschäler und Maurerkellen. In
dieser Zeit entstanden dann auch die berühmten Hindelanger Nagelschmieden.
Bis heute hat sich die wohl älteste Hammerschmiede im Ostrachtal behauptet und nützt wie seit ehedem das Wasser des Gebirgsflüsschens als Energiequelle. Vier uralte, schwere Schwanzhämmer werden wie bei einer Mühle mit dem Wasserrad angetrieben und darunter entstehen Werkzeuge und die sehr beliebten, weithin bekannten schmiedeeinsenen Bratpfannen. Ein Muss für Kenner und Schlemmer.
Im Frühjahr 2006 musste der alte, sehr marode Holzkanal erneuert werden. Er wurde nun in einer Höhe errichtet, die das historische Gebäude vor immer häufiger auftretendem Hochwasser schützen soll. Gleichzeitig konnte eine kleine Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung gebaut werden. Dieser wird durch Einhaltung gesetzlicher Auflagen (z.B. Fischtreppe) als "Ökostrom" voll ins Netzt eingespeist. Die Arbeiten in der Schmiede werden weiterhin wie eh und je mit einem durch Wasserräder angetriebenen Hammerwerk erledigt. |